Sport. Damals. 

Wie war es eigentlich vor dem Zeitalter von Instagram, Fitnesstrackern und Runtastic? Gab es ein sportliches Leben vor dem Zeitalter der Selbstoptimierung? Vor der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken?

Ich bin 15 und betreibe Basketball als Leistungssport. Vier Mal die Woche wird trainiert, an den Wochenenden finden die Matches statt. Ich werfe Körbe, allerdings ohne Makros zu tracken, meine Trainingsläufe aufzuzeichnen oder Fotos von meiner roten Birne nach einem Spiel zu posten. Posten? Ich schicke sowieso lediglich Karten vom jährlichen Trainingslager an alle. Keine Statusmeldungen.
Ich bin 19 Jahre alt, habe gerade mein erstes Studium begonnen. Und mir meine allererste Jahreskarte für das Fitnessstudio gekauft. Ich trage keine neuen Nikeleggins, wenn ich dorthin gehe, sondern irgendwelche Sportklamotten, die nicht schön sein müssen, da ich sie ohnedies voll schwitzen werde. Ich mache auch kein Foto im Spiegel mit einer Hantel in der Hand in einer komischen Pose. Ich verliere den Teenagerspeck ohne Wheyprotein oder Kalorien zählen. Ohne den Drang, meine Proteinzufuhr akribisch zu überwachen.

Ich bin 24 und mittlerweile ausgebildete Aerobic- und Fitnesstrainerin. Zehn Stunden die Woche unterrichte ich, werde dafür bezahlt, zu sporteln und Leute zu motivieren. Ich habe einen leichten Sixpack, poste aber in der Früh keine #morningabs. Ich bin fit wie ein Turnschuh, fühle mich super wohl, ohne das jedem auf die Nase binden zu müssen. Ich mache einfach mein Ding. Im Stillen.

Ich bin 35 und liebe Instagram und Bloggen. Ich mag Hashtags, ich überlege gerne, wie ich Bilder in Szene setze, welche Kanäle ich bespiele. Ich weiß Fitnesstracker zu schätzen, ich freue mich, anhand von Runtastic zu sehen, dass ich schneller werde. Ein Proteinshake ab und an macht mir meine Ernährung leichter.

Aber es macht mich nachdenklich, dieser neue Fitnesswahn überall. So lange mache ich nun schon Sport, schon damals, als man nicht nonstop rausposaunen musste, wie toll man sich abrackert. Aus Spaß. Damals, als junge Mädels sich bei zwei Mal moderatem Sport die Woche noch nicht selbsternannte Fitness-Expertinnen nannten und sich von Proteinriegeln und Co. ernährten. Damals, als Sport kein Trend war.

Damals.

7 thoughts on “Sport. Damals. 

  1. Wahre Worte! Auch wenn ich zugeben muss das mich diese kleinen Fitnessgadgets einfach wahnsinnig motivieren und es schon interessant ist schwarz auf weiß zu sehen was ich so geleistet habe. Allerdings finde ich auch gibt es einen schmalen Grad zwischen Spaß und guter Überprüfung und Leistungsüberdruck und Verbissenheit. Sollte sich jeder einmal Gedanken machen. Danke für deinen Anstoß 😊 LG Nisi Blume

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s