Ernährung: neue Religion?

Wann ist Ernährung eigentlich zur Religion geworden? Ich werde sehr oft gefragt, wie ich mich ernähre. Meine Antwort: Gesund. Möglichst gesund. Aber so, dass ich auf nichts verzichten muss, sondern am gesellschaftlichen Leben teilhaben kan. Ich bin keine Bodybuilderin. Ich bin auch keine Leistungssportlerin (mehr). Und ich ernähre mich durch den Mund, nur um das auch noch zu beantworten :).

Gerade in den sozialen Netzwerken, allen voran bei Instagram, kann man die Frage nach der Ernährung offenbar nicht mehr beantworten, ohne sich strikt für vegan, vegetarisch, Paleo, Raw till Four, High Carb, Low Carb, No Carb, Slow Carb und Konsorten zu entscheiden. Ich will keine dieser Ernährungsweisen verurteilen. Wirklich nicht. Aber wieso muss ich mich wirklich festlegen? In den letzten Monaten habe ich so gut wie kein Fleisch gegessen, aber ich hatte keinen Bock, mich deshalb als Vegetarierin zu betiteln. Weil´s doch auch egal ist, oder? Nichts gegen Verantwortung gegenüber anderen Lebewesen. Aber man kann´s auch übertreiben. Das erinnert mich an die Szene in „Notting Hill“, als Hugh Grant mit einer Frutarierin verkuppelt werden soll. „Ein bisschen Weinschnepfe ?“ – „Nein, vielen Dank, ich bin Frutarierin.“ – „Ohh… was ist ein Frutarier, Desire ?“ – „Naja, wir glauben Gemüse und Früchte besitzen eine Seele, und deshalb halten wir kochen für grausam. Wir essen nur Dinge, die von allein von dem Bäumen und Sträuchern runterfallen, weil nur die richtig tot sind.“ – „Ahh, alles klar… so ist das also… also diese Möhren hier…“ – „… sind ermordet worden!“ – „Ermordet… die armen Möhren, dass äh, ist ja bestialisch.“ Ich habe viele Veganer in meinem Umfeld. Und sehr viele davon bewundere ich für ihre Lebenshaltung, weil sie andere nicht missionieren wollen. Die, die das nämlich versuchen, nerven, so leid es mir tut.

Was ich aber bisweilen schon ordentlich krass finde: Dass 16-jährige Mädels ihre Kalorien tracken und Proteinshakes kippen als gäbe es kein Morgen mehr. Meine Mama hätte mich gefragt, ob ich irgendwo dagegen gelaufen bin. Oder mich auf der Stelle enterbt. Dass man leckere „Gerichte“ aus Proteinpulver sieht, die allerdings so schmecken, als würde es einem direkt aus den Ohren herausstauben und diese Pancaketürme werden dann mit dem Hashtag #foodporn versehen. Pornös ist daran nur noch die Optik.

In einer Zeit, in der so vieles unsicher ist und die Menschen Orientierung suchen, scheint die Ernährung zur Ersatzreligion zu werden.

Die für mich sinnvollste Ernährungsweise: Möglichst viel selbst kochen. Abwägen, ob man wirklich hungrig ist oder nur gelangweilt. Und sich mit dem Thema beschäftigen. Intuitiv essen. Und das ist der Spruch, der es für mich am allerbesten auf den Punkt bringt: Eat clean to stay fit – have a burger to stay sane!

Was meint Ihr, ist Ernährung eine Ersatzreligion? Und wie ernährt Ihr Euch, um die beliebte Frage zu wiederholen?

6 thoughts on “Ernährung: neue Religion?

  1. Ich empfinde das genauso wie du! Ich bin damals auch auf den Zug aufgeschrieben und änderte meine Ernährung von Low Carb zu High Carb. Es ist nichts falsch daran, aber so wie ich es ausgeführt habe, war einfach zu extrem. Man sollte da für sich ein Mittelmaß finden und kein Makronährstoff vernachlässigen. Und um die Frage zu beantworten: ich ernähre mich größtenteils vegan, bin aber nicht eine der belehrenden Hardcore Veganer;) LG Miri von http://www.cheatcleanlikeaqueen.wordpress.com

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  2. Wirklich toller Artikel, der es auf den Punkt bringt! Ich esse auch so gesund wie möglich, ohne dabei großartig auf was verzichten zu müssen. Kohlenhydrate sind für mich definitiv keine No-gos und wenn ich Lust auf Pommes, Pizza & Co. habe, dann gibt es das auch (mal). Und wenn ich mich in meiner Haut nicht wohlfühle, dann muss ich eben 1x mehr zum Sport gehen oder mir beim nächsten Mal überlegen, ob es denn wirklich eine große Pizza sein muss oder ob es nicht auch eine Kleine und ein Salat tut. Das Leben ist zu kurz, um auf alles zu verzichten und sich von Proteinpampe zu ernähren.

    LG Julia

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