Sind wir nicht alle ein bisschen Bridget Jones?

Da ja der dritte Teil von „Bridget Jones“ aktuell in den Kinos über die Leinwände flimmert, habe ich mir gestern nach Ewigkeiten wieder mal den ersten Teil reingezogen. In Originalfassung versteht sich. Die vergangene Woche schrie nach diesem Streifen. Schon die ersten Sätze sind richtig eingefahren:

„It all began on New Years day, in my 32nd year of beeing single.“

Ähm, ich bin vier Jahre älter als du, Bridget. Ich kann mich noch erinnern, wie ich 1999 das Buch zum ersten Mal gelesen, nein verschlungen, hatte. Ich hatte gerade angefangen zu studieren, Publizistik, weil ich so gar keine Ahnung hatte, wohin es mal gehen soll. Zu der Zeit habe ich Fitness für mich entdeckt und sehr oft trainiert. Ich bin jemand, dem im Auto oder Bus beim Lesen sofort schlecht wird (thanks for sharing), und dennoch konnte ich das Buch im Bus nicht weglegen. Ich war begeistert, Bridger war meine persönliche Heldin. Doch sie schien unendlich alt.

2001 kam dann der Film ins Kino. Am ersten Tag habe ich sofort die DVD gekauft und jahrelang rauf und runter gesehen. Ich kann tatsächlich den Film auswendig. Leider keine besondere Kenntnis, die einen Lebenslauf zieren sollte. Ich erinnere mich, dass ich nochmal mit meiner ersten großen Liebe zusammen war. Bridget schien immer noch unerreichbar, ihres Alters wegen und auch wegen ihres Lebensstils. Auch wenn sie mehr Single war als ich damals. Auch wenn sie keine klassische Karrierefrau war. Aber sie hatte einen richtigen Job, eine eignene Wohnung. Ich hatte zig Studentenjobs parallel und ein „Kinder“zimmer bei meinen Eltern.

 „Thank you, Daniel, that is very good to know. But if staying here means working within 10 yards of you, frankly, I’d rather have a job wiping Saddam Hussein’s arse.“

2016. Ich habe einen richtigen Job, habe Bridget längst karrieretechnisch überholt. Habe seit ewig eine eigene Wohnung, die ich liebe. Studiere schon wieder, Aber ich bin mehr Single, als die gute Bridget es jemals sein konnte oder jemals sein wird. Kennt Ihr das, dass man als Teenager dachte, mit 30 plus sei man längst verheiratet und hätte Kinder, das volle Programm? Tja, so nicht heutzutage.

„I like you, very much. Just as you are.“

Keiner scheint sich binden zu wollen. Stattdessen gibt es Mingles und sonstige Formen der „Beziehung“. Kein „Willst du mit mir gehen?“, das nur zwei Optionen (Ja/Nein) zulässt (wenn man das leidige Vielleicht ausklammert) zulässt. In meinem engsten Freundeskreis haben die wenigsten Kinder. Viele haben Beziehungen, die keine sind. Von denen aber auch keiner weiß, was sie sein sollen, es ist nur wichtig, dass sie keine Beziehungen sind.

 „Thank you, Daniel, that is very good to know. But if staying here means working within 10 yards of you, frankly, I’d rather have a job wiping Saddam Hussein’s arse.“

Wir „tindern“, wir daten, wir träumen maximal heimlich vom vollen Programm mit Heirat und Kindern. Lieber optimieren wir uns selbst. Sind mit unseren Smartphones verwachsen. Rufen einander nicht mehr an, weil wir via Facebook & Co. ohnedies wissen, was der andere tut. Vielleicht sollten wir doch wieder ein bisschen mehr wie Bridget sein, oder?

4 thoughts on “Sind wir nicht alle ein bisschen Bridget Jones?

  1. Mal wieder ein toller Blogbeitrag, hat richtig Spaß gemacht ihn zu lesen! Vor allem weil so viel wahres in Deinen Worten steckt.

    „Kennt Ihr das, dass man als Teenager dachte, mit 30 plus sei man längst verheiratet und hätte Kinder, das volle Programm?“ Oh ja, dass kenne ich. Und vielen meiner Freunde geht es ebenfalls so. Obwohl ich mittlerweile sagen muss, ich habe mich ganz gut damit arrangiert, dass es nicht so ist. 😉 Aber es ist schon „interessant“, dass man als Teenager oder auch noch ein paar Jahre später eine ganz andere Vorstellung vom Leben hatte als es jetzt wirklich der Fall ist.

    Liebe Grüße
    Julia

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  2. Mehr Bridget für alle!Die gute Frau war auch schon immer meine Seelenverwandte. Zu Beginn hatte ich irgendwie Mitleid, und dann wurde mir leider ziemlich schnell klar, dass ich das sein könnte. Der einzige Unterschied: Ihr hinreißender britischer Akzent.
    Denn im Grunde sind wir das doch alle immer ein bisschen (gewesen). Zumindest phasenweise. Und das ist okay. Hauptsache irgendwann endet man genau wie sie:)

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