Rita bringt´s. Aber wirklich.

Rita bringt´s  hat mir und meinen Kolleginnen schon so manchen Arbeitstag versüßt. Bestellt man sonst beim Lieferservice, wird es oft die fettige Pizza. Arbeiten danach? Zum Vergessen. Suppenkoma deluxe! Viel zu müde und träge sitzt man vor dem PC.

Rita und ihr Team sind der erste vegetarische Lieferservice Wiens, wahlweise wird auch Veganes kredenzt. Das schmeckt und liefert alle nötigen Vitamine und Nährstoffe, die für den Arbeitstag wichtig sind. Und freut sogar den Boss, immerhin ist man nach dem Mittagessen zwar satt, aber noch leistungsfähig.

Ich durfte die liebe Rita bei einem köstlichen Frühstück in ihrem Lokal am Wiener Vorgartenmarkt interviewen, eine beeindruckende Frau, deren Augen nur so blitzen, wenn sie von ihrem Business erzählt. Und die einen herzlichen Umgang mit den Kunden wie Mitarbeitern pflegt, den man sonst nur suchen kann.


Wie hat denn den alles angefangen, wie ist überhaupt die Idee zustande gekommen?

Die Idee für den Lieferservice war eine recht schnelle Geschichte, mein Schwager hat mir eines Tages eine Facebooknachricht geschrieben, und gemeint, falls ich je einen vegetarischen Lieferservice gemeinsam machen möchte, soll ich es ihn wissen lassen. Ich dachte damals, er macht einen Scherz. Er hat mich dann angerufen, und es war klar: Er meint das ernst. Es gab damals noch keinen derartigen Lieferservice in Wien, wo man sich auf Qualität, umweltfreundliche Lieferung (Rita bringt´s nämlich per Fahrrad) und Herkunft verlassen konnte. Mir war sofort klar, das ist das, wofür ich zu brennen anfange. Da hat sich bei mir sofort ein Schalter umgelegt. So habe ich die Kulturbranche verlassen, und mein Schwager und ich haben alles innerhalb von zwei Monaten hochgezogen. Am 1. April 2014 haben wir gestartet. Das war alles sehr schräg, aber es war einfach der richtige Zeitpunkt und es waren die richtigen Menschen.

Wie kam es dazu, dass du deine Leidenschaft zum Kochen entdeckt hast?

Sehr früh schon. Ich komme aus einer Familie, wo meine Mutter Hausfrau war bzw. im elterlichen Betrieb gearbeitet hat und einfach immer daheim war. Und sie hat immer für uns gekocht, ich habe erst viel später realisiert, dass das nicht selbstverständlich ist. Jeden Tag nach der Schule war etwas zum Essen da. Und das jeden Tag. Und abends auch noch, auch viel mit Hirse, meinem Vater zu Liebe. Ich habe viel mitbekommen, auch meine Großmütter haben leidenschaftlich gerne gekocht, wo ich ganz viel alte Zutaten und Rezepte mitnehmen konnte. Als ich für mein Studium nach Wien kam, wurde mir schlagartig bewusst, dass da nicht selbstverständlich das Essen am Tisch steht. Dann ist das Budget ein bisschen knapp, und es gibt Nudeln und Kartoffeln (lacht). Sukzessive hat sich das Bewusstsein für gute Zutaten entwickelt. Auch in den Büros, wo ich dann gearbeitet habe, habe ich mir immer etwas Selbstgekochtes mitgenommen. So hat sich das aufgebaut. Und der Gerald, mein Schwager, war jemand, mit dem ich schon einmal gearbeitet habe, und wir sind einfach auf einer Linie, was Arbeit anbelangt. Wir wissen, was es bedeutet, sich richtig reinzuhängen. Ich hatte keinerlei Ahnung von Gastronomie, und es hat einfach funktioniert.


Hat deine Mutter auch viel vegetarisch gekocht?

Ja, es hat bei uns wenn überhaupt Fleisch von den umliegenden Bauern gegeben, da mein Vater Tierarzt war. Meine Mutter hat schon viel vegetarisch gekocht. Mit zwölf Jahren habe ich begonnen, mich vegetarisch zu ernähren, da mir einfach vor Fleisch gegraust hat, meine Mutter hat darauf Rücksicht genommen, manchmal auch extra für mich gekocht, damit es nicht immer nur Beilagen für mich gab.

Wie ist so deine Erfahrung mit deinem Umfeld? Haben das alle verstanden, als du mit zwölf Vegetarierin wurdest?

Innerhalb der Familie gab es keinerlei Probleme. Immer wieder einmal wurde versucht, mir Fleisch unterzujubeln, da ich damals auch schon sehr schmal war, aber die Figur liegt bei uns in der Familie und ich war nie krank. Die Nachbarn haben schon blöde Kommentare geschoben à la „Kein Wunder, wie du ausschaust!“. In der Schule war das überhaupt kein Thema. Aber beim Essen gehen gab es immer wieder Kommentare, damals war die vegetarische Ernährung noch sehr exotisch. Ich musste mich zwar erklären, aber nie rechtfertigen.

Wenn sich jemand gesünder ernähren möchte, welche Tipps würdest du dieser Person geben?

Meine beste Empfehlung ist es, bei Rita bringt´s zu bestellen (lacht). Da kann man sich wirklich täglich darauf verlassen, dass man was Gutes bekommt. Ich verstehe, wenn das für viele eine Hemmschwelle ist, bei uns muss man am Vortag bestellen, wir liefern kalt, die man aber leicht überwinden kann. Man kann beispielsweise am Sonntag Abend für die gesamte Folgewoche bestellen. Ansonsten rate ich von Ersatzprodukten ab, davon halte ich nichts. Ich würde empfehlen, sich mit der Küche und der Zubereitung auseinander zu setzen. Und da ist es egal, ob man sich vegetarisch ernährt, vegan oder, ob man Fleisch isst. Wichtig sind die Ausgewogenheit und ein entsprechendes Grundverständnis. Sobald mir schmeckt, was ich selbst koche, ist es auch gut für mich. Der Genuss ist wichtig. Wenn ich weiß, dass ein Gericht die fünf Geschmacksrichtungen braucht, um gut zu schmecken, dann ist schon viel erreicht, dann sollte ich mich damit auseinandersetzen, was ich aus welchen Nahrungsmitteln alles machen kann. Saisonal und regional ist wichtig, weil die Avocado etwa kommt von sonst wo her, man muss sich einfach mit der Materie auseinander setzen.

Was sagst du zu Ernährungstrends bei sozialen Netzwerken, wie etwa Instagram? Da gibt es ja sehr viele Menschen, die sich sehr strikt ernähren, wie vegan, Paleo, low carb usw.

Ich halte wenig davon, für mich hat das zu viel mit Verzicht zu tun und ganz oft nichts mehr mit gesunder Ernährung. Auch bei Veganern, wir bieten ja fast alle Gerichte, außer zum Beispiel Kaspressknödel, vegan an. Und da wehre ich mich dagegen, also gegen Ersatzprodukte für Käse etwa, das ist in meinen Augen einfach sinnlos. Ich mag dieses Missionarische nicht – am Ende sollte jeder für sich selbst entscheiden können, welche Ernährungsweise für ihn gut ist, es braucht ja auch jeder Körper etwas anderes.

Ich auch nicht, das geht mir zu weit. Hast du eigentlich ein Lieblingsessen?

Nicht ein spezielles Gericht, aber was ich total gerne mag und gerne für mich alleine oder für viele zubereite, ist ganzes Gemüse, wie Kürbis, wie Karfiol oder eine rote Rübe. Da kann man die Kreativität fördern und man hat diesen ursprünglichen Genuss. Das taugt mit am meisten.

Gibt es etwas, das du gar nicht isst?

Eigentlich nicht. Man kann das kategorisch gar nicht sagen, finde ich, weil Lebensmittel durch die Zubereitung immer anders schmecken und ich finde, man sollte immer wieder mal was probieren, was einem eigentlich nicht schmeckt. Wobei, Shrimps oder Muscheln, die mag ich gar nicht, das ist mir nie gelungen. Finde ich ganz fürchterlich. Und mit Ersatzprodukten kann ich eben auch nichts anfangen. Wozu entscheide ich mich für eine bewusste Lebensweise, wenn etwa in vegetarischen „Würsteln“ lauter Emulgatoren drinnen sind? Das funktioniert für mich einfach nicht, das hat viel mit Geschmacksbildung zu tun.

Wenn jetzt jemand oft sehr spät nach Hause kommt oder nicht einkaufen war, welche Basics sollte man daheim haben, um sich gesund ernähren zu können?

Ich hatte letztens auch so eine Situation, nicht g´scheit gegessen und einkaufen war ich auch nicht, dann hatte ich noch gekochten Reis, ein Ei, eine halbe Avocado und einen recht kaputten Bund Petersilie und eine halbe Zwiebel. In Wirklichkeit habe ich das dann auch nur in eine Pfanne geschmissen und gewürzt. Sonst ist es immer super, etwas in den Ofen zu schieben, und während dessen duschen gehen zu können. Oder Restgemüse, da nehme ich mir Zeit, und mache eine Suppe daraus. Ein Grundstock für daheim für „Notfälle“ ist Couscous, ein paar tiefgekühlte Weckerl, Butter finde ich unendlich wichtig, Salbei, Petersilie und Schnittlauch habe ich auch immer daheim. Und Knoblauch und Zwiebel sind mir ganz wichtig. So kann ein gutes Gericht entstehen. Auch mit Pesto oder Olivenöl. Wenn es einmal spät wird, dann geht man auch nicht zu schwer ins Bett.

Danke für das tolle Interview!

4 thoughts on “Rita bringt´s. Aber wirklich.

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